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| Rubrik | Einsatz | zurück | ||
| Thema | Untersuchungsbericht Tübingen ist online | 91 Beiträge | ||
| Autor | Chri8sti8an 8F., Wernau / Baden-Württemberg | 352529 | ||
| Datum | 30.07.2006 22:57 MSG-Nr: [ 352529 ] | 30563 x gelesen | ||
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Geschrieben von Christi@n Pannier Auch wenn es sicherlich - unter Berücksichtigung der Gesamtumstände - nicht angebracht ist, jemandem zu gratulieren, so finde ich, dass der vorliegende Untersuchungsbericht sehr umfassend ist und die Unfallkommission sehr akribisch und sachlich gearbeitet hat. Das kann man sicherlich so sagen. Dennoch muss ich ein Stück weit hier wieder mal den Spielverderber spielen. Der Deutschen Bahn sei dank hatte ich heute mehrere Stunden Zeit, mit den Bericht immer wieder durchzulesen. Und ich war immer wieder überrascht darüber, wie man es schafft, aus einem Gebäude (also einem dummen Stück Material) die Ursache für den Unfall zu machen. Und wenn man Punkt 4 des Berichts so liest, dann kann man das durchaus denken. Und nach 7 Monaten und bei einer so hochkarätig mit Titeln, Posten und Ämtern besetzten Kommission hätte ich mir irgendwie mehr erwartet. Kein normaler AT-Trupp in einem Brandeinsatz denkt ?wie toll, dass die LBO in §XY vorschreibt, dass diese Wand F30 erfüllen muss?. Der gemeine AGT denkt daran, wie er den verdammten schweren Schlauch um die nächste Ecke bringt, er versucht seinen Partner im Trupp nicht zu verlieren, den Funkverkehr zu verstehen und vielleicht schafft er es ja noch ab und zu bevor ihn die ATÜ fragt auch mal selbständig aufs Manometer des PA zu schauen (aber das wäre schon Goldstandard). Nein. Er denkt bestimmt nicht an Maßnahmen des VB. Und das muss man auch nicht mehr auf Ebene des AGT ausbilden. Das wäre nur eine weitere Überfrachtung. Da wären andere Themen wesentlich dringender? Feuer das der FM nicht sieht gibt es für ihn indieser Situation nicht. Egal ob die Wand dazwischen F30, 60, 90 oder eben Null hat. Zumal eine Wehr wir TÜ mit einer so großen Altstadt sicherlich genügend Erfahrung mit alter Bausubstanz hat, als sich darauf zu verlassen dass irgendwelche heutigen Bauvorschriften schon vor 100 Jahren eingehalten wurden und dass diese Gebäude baulich alles andere als sicher sind. Auch habe ich auf der LFS Ba-Wü im Lehrgang GrFü und ZFü im Bereich des VB gelernt, dass man sich nie zu 100% darauf verlassen darf, dass die irgendwann mal geplanten Maßnahmen des baulichen Brandschutzes heute wenn wir tätig werden müssen noch greifen. Je älter ein Gebäude ist und je mehr und je gravierendere Umnutzungen stattgefunden haben, desto größer ist sogar die Wahrscheinlichkeit, dass da eben das eine oder andere im Laufe der Zeit untergegangen ist. Was mich aber viel mehr erschreckt hat ist die Überraschung der Kommission, dass ein SiTr so ganz ohne eigene Leitung da steht. Auch wenn es nicht explizit in der DV 7 steht. Warum bitteschön soll ein SiTr ohne eigene Leitung was bringen? Das Rohr des verunglückten Trupps verwenden? Also diese Idee finde ich mal sagen wir verwegen. Dieser Gedanke wäre mir als Standardsituation nie gekommen. Sondern höchstens als Ausnahmesituation, dass man in bestimmten Fällen auf eine eigene aber bereits vorbereitete Leitung verzichten kann. Denn die unkontrollierte Brandausbreitung ist ja gerade eine der anzunehmenden Ursachen für den AT-Notfall (vgl. Untergombach). Wir rüsten den SiTr mit (einfachem) Werkzeug aus, falls der verunglückte Trupp irgendwie eingeschlossen ist bzw. man sich einen Weg dahin eröffnen muss. Wir rüsten den SiTr mit einem Rettungshilfsmittel (egal ob Tragetuch, Schleifkorbtrage, Faltschleiftrage, Rettungsmulde,..) aus, falls der verunglückte AGT den Weg raus nicht auf eigenen Beinen schafft. Und dann stellen wir keine 2 Tragekörbe und ein Strahlroh am Verteiler bereit, mit dem der SiTr notfalls vorgehen kann? Nicht wirklich. In einer meiner ersten Übungen als AGT Mitte der 90er als das Ding noch Rettungstrupp hieß, Andreas Stampe noch gelebt hat und die DV 7 noch alt war hat mir das mit der Leitung für den RettTrupp schon ein alter Gruppenführer beigebracht. Also so überraschend kann diese Erkenntnis m.E. deshalb nicht sein. Wenn ich dann noch die Erkenntnis lese dass die Rettung der verunglückte AGT auch für 4 Mann der Retttrupps Schwerstarbeit war. Das ist doch auch nichts neues. Jeder der schon mal realistische AT-Notfallübungen gefahren hat weiß, dass der 2 Mann SiTr alleine keine Chance hat bei einem nicht gehfähigen AGT der nicht nur horizontal gerettet werden muß. Geschrieben von Christi@n Pannier Ich hoffe, dass dieser Bericht möglichst tiefe Verbreitung im deutschen Feuerwehrwesen findet und sich insb. jeder fragt, ob man die in den Kapiteln 5.5 und 8 vorgetragenen Hinweise und Empfehlungen in der eigenen Feuerwehr so konsequent einhält und umsetzt. Sind wir aber doch mal ehrlich. Unter Punkt 8. Haben wir dafür wirklich zwei Tote und eine Unfallkommission gebraucht? Bis auf den Hinweis mit CAFS ist da nichts ereignisbezogenes drin, was nicht auch vor dem Unfall in TÜ bekannt war oder hätte bekannt sein müssen. Sowohl denen die das draußen machen wie auch in der Unfallkommission bekannt sein müsste was draußen so läuft (oder eben auch nicht läuft). Im Gegenteil. Das sind doch eher olle Kamellen, die man so oder so ähnlich bei einer ehrlichen Übungskritik bei vielen unangekündigten Übungen in den Wehren hätte sehen können. Oder die man hier in diversen Beiträgen immer wieder lesen konnte. Thema ATÜ. Was habe ich hier Prügel bezogen wenn ich immer wieder den Standpunkt vertreten habe dass die wichtigste Leitung einer gute ATÜ die Fähigkeit ist dem die Trupps einsetzenden Führer jederzeit ein Lagebild zu vermitteln das im sagt wer wo wie mit welchem Auftrag unterwegs ist und dass diese Infos entsprechend fließen müssen. Und nicht wann er wie viel Luft (vor X Minuten irgendwann mal) vielleicht gehabt hat. Dass man nicht am Feuer vorbei geht (wenn man es denn Lagebedingt erkennen kann). Alter Hut. Und spätestens seit Berlin weiß man wieder warum. Und - oh Wunder. Auch damals hätte ein SiTr eine vorbereitete eigene Leitung gebraucht?. Bildung von Reserven. Eigentlich eine alte Sache. Sagt der Bericht ja auch. Warum wird es dann nicht gemacht? Aus-/ Fortbildung der FüKräfte. Diese Diskussion hatten wir auch schon. Klare Auftragvergabe an Trupps. Was ist daran neu? Bei jeder Inszenierung der Kreiseimerfestspiele wird das doch mit voller Inbrunst gemacht. Inclusive der obligatorischen Wiederholung des Befehls (damit ich als Befehlender auch weiß, dass der andere das so verstanden hat wie ich das meinte). Wenns dann in der Praxis bei den blöden Einsätzen nicht gemacht wird? s.o. Aus-/ Fortbildung? Klare FüStruktur? Uralt. Die Probleme mit der Umsetzung doch auch. Muss man nur mal hier im Forum blättern. Zentraler-AT-Kanal, sinnlose Kanalkonzepte, Führungsdurchgriffe, Truppfahrzeuge im Erstschlag,? Das sind doch alles Auswüchse davon. Thema Aus-/ Fortbildung?. Verhalten bei Eigen-/ Fremdnotfällen und Stressresistenz. Dumm nur, dass die DV 7 genau das so für die blöden jährlichen Übungen die nur Geld kosten vorgesehen ist. Muss man eben nur lesen und konsequent Umsetzen. Aber neu ist das nicht. Wie sagt Jan Südmersen sinngemäß immer so schön. Die Ausbildung war dann gut, wenn die Einsätze langweilig werden. Aber gute Ausbildung kann man eben nicht auf vier Rädern zum Tag der offenen Tür im Nachbarort fahren und dort ausstellen? Eine weitere Sache die mich etwas erstaunt hat war die Wertung des Zeitverlustes durch das fehlende Rohr des SiTr. 6 Minuten Ausbreitungszeit für ein aktives und unbekämpftes Feuer. Je länger dieser Zustand in einem für mich wesentlichen Treppenbereich andauert, desto länger brauche ich nachher wieder um etwa dagegen zu tun. Ich würde das keinesfalls als so marginal abtun. Eine weitere Wertung die ich nicht nachvollziehen kann ist die Wertung der nicht durchgeführten Anleiterung bzw. der Begründung dazu. Ja, man wusste nicht, dass die beiden AGT im DG waren. Deshalb hat man nicht das DG angeleitert. Soweit plausibel. Aber wenn man davon ausgegangen ist dass die beiden im OG waren, warum wurde dann nicht irgendwo im OG angeleitert. Hätte es was gebracht? Sicherlich nicht, weil die beiden nicht dort waren. Hätte der Trupp der da vor gegangen wäre vielleicht auf Grund des vorher stattgefundenen Brandes gleicht nach dem Fenster wieder den Rückzug antreten müssen? Möglich. Aber ich finde im Bericht kein Wort darüber, dass man es nicht wenigstens versucht hat, was mich eben zu dem Schluss führt, dass man es nicht in Erwägung gezogen hat (sonst hätte man es wenigstens probiert), sondern eben lieber 15 sehr lange Minuten im Treppenhaus gekämpft hat. Ich habe auf dem GrFü und dem ZFü auf der LFS Ba-Wü gelernt, dass wann immer man einen Plan A hat und dieser am laufen ist man sich einen Plan B anlegen soll, falls Plan A nicht so weiter läuft wie man sich das vorgestellt hat. Eine weitere Frage die im Bereicht unbeantwortet ist, ist in wieweit frische und vom Ereignis bisher nicht voreingenommene FüKräfte auf andere Ideen gekommen wären. Wer mich kennt der weiß, dass ich bestimmt nicht zartbesaitet bin. Aber wenn ich als GrFü oder ZFü in einem Einsatz gerade eigene Kräfte für die ich die Verantwortung trage verloren hätte oder am verlieren wäre, dann würde ich mich sobald freier Ersatz kommt der vorher noch nicht an der Einsatzstelle war (egal ob eigene oder fremde Wehr, KBM,?) nach einer kurzen Übergabe ablösen lassen. Denn es ist allzu menschlich, dass man in dieser Situation anfängt zu tunneln und Dinge tut oder anordnet, die man nachher in einer ruhigeren Phase selbst nicht mehr versteht. Ich würde also weder als weiterer RettiTr vorgehen noch weiter irgend wen führen. Bei der BW durfte ich in den Ausbildungen am eigenen Leib erleben wie es ist wenn man als Führer unter Stress nicht mehr klar denken kann. Diese Lektion habe ich gelernt. Man möge mir diese teilweise harten Worte verzeihen. Ich will bestimmt niemanden persönlich angreifen oder zu nahe treten. Aber es steckt einfach eine gehörige Portion Frust drin, wenn nun genau die uralten Dinge die man selbst seit Jahren in der eigenen Wehr ausbildet, damit auch hausieren geht eben um das Leben der AGT einfacherer und sicherer zu machen (und dabei außerhalb der eigenen Wehr in vielen Fällen auf allen Ebene im besten Fall oft nur auf schiere Ignoranz stößt) dann nach einem tragischen weil tödlichen Unfall von einer großen Kommission nach nur 7 Monaten als bahnbrechende neue Erkenntnisse verbreitet werden, dafür andere Fragen die sich beim lesen des Berichts schon wieder stellen nicht gestellt und nicht beantwortet werden. Ich habe damals, als in der ersten Runde der Schlauchplatzer als Schuldiger ausgemacht wurde geschrieben, dass ein Schlauchplatzer alleine keinen AGT tötet. Ich möchte das nun erweitern in dem ich sage, und bauliche Defizite alleine auch nicht. Hoffen wir nur, dass die beiden Kameraden in TÜ nicht nur für die Erkenntnisse gestorben sind, die in diesem Bericht stehen, sondern dass wir auch bereit sind darüber hinaus zu denken. Dieser Beitrag gibt ausschließlich meine persönliche Meinung zum Thema wieder! Christian Fischer Wernau P. S.: Besucht uns doch mal auf unseren Internetseiten: www.feuerwehr-wernau.de | ||||
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