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RubrikEinsatz zurück
ThemaErste Waldbrände22 Beiträge
AutorKlau8s B8., Isernhagen / Nds396958
Datum12.04.2007 16:32      MSG-Nr: [ 396958 ]5212 x gelesen
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  • 10.04.07 quelle

  • noch einmal Waldbrände in Frankreich

    Ich weiß, ich habe mich über dieses Thema schon einmal in epischer Breite ausgelassen, ich habe mir die Bemerkung kassiert, dass Dinge des Auslandes relativ uninteressant sind, aber das ist natürlich immer subjektiv.

    Rein zufällig habe ich gestern zwei Videos herusgekramt und mir wieder angesehen, die ich vor etwa zwei Jahren bei ARTE aufgenommen habe.

    Nun habe ich ja intensive persönliche Erfahrungen sowohl in Marignane (der Flugplatz, Base der Wasserbomber) als auch in Valabre, dem Hauptquartier mit Schule und Forschungszentrum sammeln können,
    Aber: Als ich die Videos betrachtete, da habe ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt, was uns in Deutschland abgeht.

    Persönlich kann ich nur jeder Führungskraft, die auch französisch spricht dringend raten, mal hinzufahren (aus Erfahrung: Ganz nette Kollegen!) und sich mal die Dinge zeigen lassen.

    Ich möchte einfach mal ein paar Beispiele bringen, die zeigen, WAS man machen kann, so man will:

    Das erste Video zeigt die Ausbildung von Feuerwehroffizieren, welche speziell für die Leitung bei Waldbränden ausgebildet werden.

    Das Ganze geschieht in einem Simulator, einem Gebäude mit nachgebildeter Einsatzleitung, wo alle Situationen am Bildschirm dargestellt werden. Er hat ALLE Möglichkeiten, die er auch im Realfall hätte, er kann die Einsatzkräfte sowohl auf einer Karte als auch als dreidimensionale Szene erleben.

    Er kann die Flugzeuge einsetzen und beobachten, was sie und wie sie es machen.
    So gehört es absolut zu seinen Aufgaben, die Piloten auf (z.B. Hochspannungsleitungen im Anfluggebiet hinzuweisen)

    Hinter ihm stehen Schiedsrichter, die jede, aber auch jede Aktion bewerten und die auch mal kleine Gemeinheiten einspielen können.

    Zusätzlich wird er durch eine Psychologin beobachtet, die seine Führungsqualitäten und seine Stressresi
    stenz beurteilt.

    An eine Szene erinnere ich mich nur zu genau: Der Einsatzleiter hat durch ein durchgelaufenes Feuer drei Mann verloren, weitere hoch gefährdet - und in dem Moment kommt der Staatsanwalt und will von ihm jetzt, mitten in diesem geplanten Chaos Aussagen haben, was da passiert ist.

    Der Applikant hat in dem Fall (richtig) den StA zum Teufel geschickt, hat aber vorsichtshalber den Einsatzleiter der betroffenen Gruppe zur Berichterstattung einbestellt (Das kostete echte Punkte!!)
    Und es wurde gesagt, dass sich das KEIN Einsatzleiter vor Ort hätte gefallen lassen!

    So eine Übung geht über drei Stunden, drei Stunden, welche absolut an die Grenze des Möglichen gehen und auch gehen sollen.

    Video Nummer zwei beschäftigte sich mit der Forschung

    .
    Und das ist schlicht unfassbar gut, was die Kollegen dort treiben..

    Für meinen letzten Beitrag wurde ich (berechtigt!) gerügt, weil ich etwas falsch verstanden hatte.
    Ich hatte geschrieben, dass das Retardant, eine Chemikalie, die, rot eingefärbt dem Löschwasser zugefügt wird,um die Bäume gegen Entzündung resistent zu machen.

    Der Kollege, der das monierte hatte Recht (ich habe keine Probleme, zu schreiben, sorry, hier lag ich falsch)

    Richtig ist in der Tat, dass dieses Retardant extra abgesprüht wird. Dazu gleich mehr.
    Was aber gemacht wird (daher auch die korrekte Bemerkung, dass man immer nur weißes Wasser sehen würde) Dem Löschwasser wird dennoch TEILWEISE eine Chemikalie zugemischt, welche wie ein klebriger Schaum auf den Pflanzen sitzt.

    Das geht natürlich nur bei Flugzeugen wie die Fokker, die Tracker und Andere, welche im Pelidrom, der Basis am Boden betankt werden, nicht bei den CL 215 und 415 (ich meine, dass die CL215, die Kolbenmotorversion in Frankreich nicht mehr fliegt, wohl aber noch viel in anderen Ländern. Die CL415 ist die Folgeversion mit Turboprop. Es gibt dort schon eine weitere Version aus der gleichen Flugzeugschmiede)

    Diese Maschinen nehmen ihr Wasser im Überflug auf
    und lassen es dann sofort wieder ab..

    Zu dem Retardant: Ich sah im Video einen Brandversuch, bei dem Gestrüpp (etwa einen halben Meter hoch) zusammen auf einem Feld stand, die eine Hälfte mit Retardant aus einer Gießkanne besprüht wurde, die andere Hälfte naturbelassen.

    Dann kam ein Bunsenbrenner, das unbehandelte Gestrüpp brannte in hellen Flammen ab, während das besprühte Gestrüpp gar nicht daran dacht, zu leuchten..


    Jedem Feuerwehrmann ist bekannt, dass Holz ein guter Schutz gegen Feuer sein kann..

    Eine der Fragestellungen an der Schule (Forschungszentrum) war , wie man Häuser gegen das Abbrennen schützen kann, wenn da ein Waldbrand drüber weg läuft..

    Man kam drauf, dass Steinhäuser, welche wohl vorbereitet dicke Holzbrettläden vor den Fenstern und Türen hatten in der Regel leicht angesengt davon kamen.

    (Diese Erfahrung macht man übrigens jedes Jahr in den USA, wenn die sogenannten "Santa Ana-Feuer" die VIllen der Hollywoodgrößen in schöner Regelmäßigkeit abbrennen lassen.

    Diejenigen, die so clever sind und auf die Bedachung mit Zederholzschindeln verzichten kommen oftmals davon, die Anderen, die lernresistenten eben nicht.

    Über die große Brandversuchstrommel hatte ich schon vorher berichtet, so dass ich für diejenigen, welche das überlesen haben nur noch stichwortartig etwas sagen muss:
    Lange Trommel wird mit Brandgut JEDER Art (je nachdem, was man nun untersuchen will) beschickt und dann wird es aufgeheizt, mit einem riesigen Ventilator Windstärken "wie hätte ich es gerne) bearbeitet, dazu mit Sprühwasser von der Seite jedwede Wetterlage simuliert.

    Und das Wetter nehmen die als essentiellen Teil ihrer Brandbekämpfung, Frankreich hat einen eigenen Wetterdienst für die Protection (Securité) Civile, den "Meteo France"

    Im gesamten Gebiet sind eigene Wetterstationen verteilt, sie verlassen sich also nicht auf den nationalen Wetterdienst..

    Jeden Morgen geht eine Meteorologin raus und sammelt bestimme Pflanzen, welche als "schwer entflammbar" gelten. (sorry, habe vergessen, welche das sind), legt die in ein kleines feuerfestes Gefäß und erhitzt die genau auf 500 Grad Celsius.

    Die Zeit bis zum Entflammen wird mit der Stoppuhr gemessen und gibt einen Hinweis auf die Gefahr in der Vegetation..

    Einsatzkleidung wird laufend untersucht und verbessert.
    Hierzu bekommt ein Dummy die zu untersuchende Schutzkleidung an, wobei am Körper der Puppe, innen und außen Sensoren sitzen, welche die Temperaturen messen.

    Man geht davon aus, dass ein Feuerwehrmann schon mal 700 Grad abbekommen kann..

    Die Forscher sind alles Leute, die selber ihre Feuertaufen hinter sich haben und wissen, was sie tun.
    Daraus resultiert z.B. die Regenanlage der Fahrzeuge. Jedes Fahrzeug hat einen separaten Wassertank mit 500 Liter Wasser.
    Muss es durch ein Feuer durch (dazu gleich mehr), dann besprüht es sich selber, während die Kollegen und Kameraden sich einen Hitzeschutzponcho (sah ich hier schon in einem anderen Beitrag) überstreifen.

    Kurz, warum das so wichtig ist: Die Gegend Südfrankreich ist sehr felsig, oftmals kann man nicht einfach nach vorne weg, sondern muss sehen, dass man den Weg durch den schon brennenden Wald nach hinten wieder nimmt.

    Das große Problem in Südfrankreich ist der Mistral, ein Wind , der nur aus Richtung Norden weht und wie ein Föhn die Flammen vor sich her treibt..

    Es gäbe noch unendlich viel zu berichten, aber vielleicht als Abschluss ein Computerprg "FIRE TASK", welches mit den vorhandenen Parametern wie Wind und Windstärke, Vegetation und Geografie (Schluchten oder freie Fläche) den Weg, den das Feuer nehmen wird per Computer errechnen kann.

    Dieses Prgr ist inzwischen so weit gediehen, dass es tatsächlich eingesetzt wird und ziemlich genaue Resultate bringt.

    Trotz aller dieser Dinge kann leider nicht verhindert werden, dass praktisch kein Jahr vergeht, wo es Opfer gibt - auch sehr viele Feuerwehrleute und auch immer und immer wieder Flugzeugabstürze.

    Noch ein Wort zu den Piloten: Es sind in der Regel Piloten, welche von der Marinefliegerei kommen und nie weniger als 5000 Flugstunden haben, bevor sie sich auf eine Maschine setzen. (Und nicht älter als 40 Jahre sein dürfen. Viele von ihren sind Freiberufler, die nur zur Hauptbrandsaison fliegen.)

    Ich selber erinnere mich an ein Video, aufgenommen von einem Freiwilligen Feuerwehrmann, bei dem eine CL215 in eine Rauchwolke an einem Hang flog und explodierte..

    Ich habe während meines Aufenthaltes nach dieser Geschichte gefragt, gefragt, wie das passieren konnte.
    Keiner wusste es und es wurden zwei Möglichkeiten angeboten:
    ENTWEDER der Pilot hat sich einfach verschätzt und die Maschine nicht rechtzeitig hochgezogen ODER aber er hat sein Wasser nicht losbekommen.

    Tatsache: Eine sehr erfahrene Besatzung, erster Flug dieses Tages und Maschine im Top-Zustand.

    Noch während meines Aufenthaltes stürzte eine "Tracker" ab (ein umgebauter U-Bootjäger, dessen Sonardom als Wasserbehälter umgebaut wurde. Sie kann etwa 3500 Liter Wasser aufnehmen und wird üblicherweise für Patrouillen und Erstangriffe eingesetzt).

    Hier war die Ursache klar: Sie hat im Landeanflug einen Ausfall einer der beiden Turbinen (ist ein Turboprop) gehabt - und das ist eine fast nicht beherrschbare Situation.

    So, ich hoffe, ich werde nicht wieder geschimpft, aber ich glaube, dass der Eine oder Andere das doch mit Interesse gelesen hat.

    mfG
    Klaus



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