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Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF), freiwilliger Zusammenschluss der Leiter der Berufsfeuerwehren Deutschlands
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RubrikEinsatz zurück
ThemaThemengruppe: alternative Antriebskonzepte, z.b. Autogas, Hybrid6 Beiträge
AutorUlri8ch 8C., Düsseldorf / NRW506856
Datum01.09.2008 17:07      MSG-Nr: [ 506856 ]2384 x gelesen
Themengruppe:
  • Auto: alternative Antriebskonzepte, z.b. Autogas, Hybrid usw.

  • Hi,

    hier meine Umfrage und Auswertung innerhalb der AGBF von 2004 (wir haben mittlerweile selbst 3 VW-Caddy mit Erdgas/Benzin-Ottomotoren):


    37/4 04.11.04 Ci 20410



    37


    Auswertung der Umfrage in der AGBF zur Nutzung alternativer Antriebe (v.a. Erdgas) für Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst.
    Ergänzt um FFM.



    Umfrageadressaten: Alle Berufsfeuerwehren (100)

    Rückläufer: 70 = 70 %

    Nur 5 Feuerwehren (Frankfurt-Main, Hamburg, Hildesheim, Kaiserlautern, Oldenburg) gaben an, Erdgasfahrzeuge zu nutzen (andere alternative Antriebe wurden nicht genannt). Eine Feuerwehr (Fürth) gab an, künftig Erdgas nutzen zu wollen.

    Davon nutzt 1 Feuerwehr (Hamburg) die Fahrzeuge nicht im Einsatzdienst, Hildesheim und Frankfurt/Main gaben eine bedingte Einsatznutzung an, die anderen beiden nutzen die Fahrzeuge voll im Einsatzdienst, geben aber Probleme an (s.u.).

    Bei den meisten dieser Nutzern sind bei der Beschaffung entweder keine Mehrkosten angegeben worden durch, oder es entstanden Mehrkosten, die aber durch Sonderkonditionen bzw. Subventionen (z.B. Energieversorger) aufgefangen worden. In einem Fall wurden die Mehrkosten mit 6.000 Euro (für einen VW T4) ausgewiesen.

    In nur einem Fall wurde angegeben, eine ökologische Gesamtbilanz (Mehraufwand, ggf. notwendiges größeres Fahrzeug erfordert mehr Ressourcen usw.) vor Beschaffung gemacht zu haben, es fehlen jedoch in der Antwort Details dazu. Mehrere Nutzer gaben an, die Technologie testen zu wollen.

    4 von den 5 Nutzern (= 80 %!) nannten Probleme im Betrieb:
    - Technisch, zwei Angaben (Hildesheim und Oldenburg)
    - Nutzlasteinschränkung (Kaiserslautern)
    - Kraftstoffversorgung (außerorts) (Frankfurt/Main)

    Drei Feuerwehren gaben konkret an, bisher (aus einsatztaktischen Gründen) nur Dieselfahrzeuge zu nutzen. (Beim großen Rest darf das m.E. vorausgesetzt werden, weil danach nicht explizit gefragt wurde und die weit überwiegende Zahl der Fahrzeuge mit Dieselmotoren versehen ist.)

    Weitere Angaben zum Umweltschutz:
    - Dieselrußfilter geplant bzw. in Beschaffung: Düsseldorf , Karlsruhe
    - Biodiesel: Köln plant dies künftig in Ausschreibungen zu fordern


    Fazit:

    Alle für die Feuerwehr Düsseldorf zur Anwendung kommenden Fahrzeuge müssen zunächst den Primärnutzen erfüllen können. Dazu gehört z.B. auch der Einbau von Funk- und Sondersignalanlagen in Einsatzfahrzeuge. Dazu müssen die Fahrgestellhersteller entsprechende Freigaben erteilen. Dies ist derzeit für noch nicht alle möglichen Fahrzeugvarianten erhältlich.

    Zum Antriebskonzept:

    1. Bei Erdgas ist festzustellen, dass derzeit von einer flächigen Kraftstoffversorgung nicht gesprochen werden kann. Selbst in Großstädten gibt es i.d.R. deutlich weniger als 10 Tankmöglichkeiten. Dies wiederum erfordert Umwege für Betankungen, dies kostet nicht nur Zeit, sondern auch Kraftstoff.
    Die Technologie mit Erdgasantrieben wird aber sicherlich weiter Verbreitung finden. In den nächsten Jahren ist mit einer größeren Verbreitung von Tankanlagen zu rechnen.

    2. Nutzung für Einsatzfahrzeuge
    Die Nutzung für Fahrzeuge ist derzeit immer noch mit teils erheblichen Nutzlasteinschränkungen verbunden (vgl. Angaben der Fw Leipzig). Angesichts der bestehenden Nutzlastprobleme schon im normalen Betrieb ist der ökologische und ökonomische Nutzen (größere Fahrzeuge erforderlich!) grundsätzlich auch dann in Frage zu stellen, wenn flächendeckend ausreichend Tankstellen zur Verfügung stehen würden und eine Feldbetankung möglich wäre. Dazu ergeben sich durch größere Fahrzeuge auch erhebliche Nachteile in der Nutzbarkeit (z.B. für LKW schlechtere Wendigkeit, größere Entnahmehöhen) und Reichweite.

    3. Nutzung für Transport- und Logistikfahrzeuge
    Die Feuerwehr Düsseldorf unterhält derzeit keine Fahrzeuge, die nicht auch noch einen Einsatzwert erfüllen müssten. Selbst Werkstattfahrzeuge müssen ggf. ausserorts bei Großlagen eingesetzt werden können (vgl. Elbehochwasser, dort war u.a. auch ein Werkstattfahrzeug der Feuerwehr Düsseldorf im Einsatz). Es gibt aber Fahrzeuge, die diesen Einsatzzweck fast nur innerstädtisch (z.B. VW Lupo als Lotsenfahrzeuge) erfüllen müssen.
    Die Nutzung von Erdgasfahrzeugen bei Logistik- bzw. Transportaufgaben (und innerstädt. Einsatzaufgaben) muß m.E. kritisch gesehen werden, wenn dazu ein Wechsel der Fahrzeugklasse nach oben notwendig ist. Größere Fahrzeuge verbrauchen nicht nur mehr Treibstoff, sondern erfordern auch einen höheren (tatsächlichen und ökologischen) Aufwand in der Herstellung.
    Größere Fahrzeuge mit nur innerstädtischen Aufgaben werden derzeit nicht neu beschafft. Es erfolgt hier entweder der Tausch aus dem Einsatzdienst oder die Anschaffung von Gebrauchtfahrzeugen.

    4. Ökologische Bewertung der Alternativen
    Für den Betrieb bei der Feuerwehr machen bei den üblichen Fahrzeugnutzungen und Laufzeiten derzeit daher nach Auffassung von 37/4 nur die fett gekennzeichneten ökologischen Antriebsvarianten bzw. –zubehöre einen Sinn:
    - Biodiesel: erfordert motorseitige Maßnahmen, nicht überall machbar bzw. nicht von allen Herstellern freigegeben, praktisch kein Mehrgewicht, später ggf. Probleme in der Gesamt-Öko-Bilanz, wenn es zu landwirtschaftlichen Monokulturen führen würde. Da eine komplette Umstellung auf Biodiesel nicht möglich ist, wird ggf. doppelte Kraftstofflogostik erforderlich. Nutzung ggf. sinnvoll, wenn die alternative Nutzung von normalem Diesel einwandfrei möglich ist.
    - Erdgas: soweit an Tankstellen ausreichend verfügbar, keine Fahrzeugklassenerhöhung („Vergrößerung“) erforderlich, nur innerstädtische Nutzung.
    - Euro 4, 5: Bei PKW mittlerweile relativ problemlos (allerdings um den Preis von noch mehr Elektronik) möglich, im Bereich der LKW-Fahrgestelle wird dies zu erheblichem Mehraufwand und –gewichten führen.
    Derzeit ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass Euro 5 bei LKW nur mit Zusatzstoffen („ad-blue“ = Harnstoff) möglich wird.
    - Hybrid: gemischte Antriebe (Benzin-/Diesel-elektrisch) erfordern einen erheblichen Mehraufwand, v.a. auch ein deutliches Mehrgewicht und sind derzeit nur in wenigen Varianten zu bekommen.
    - Rußfilter: soweit ausreichend verfügbar, keine Fahrzeugklassenerhöhung („Vergrößerung“) erforderlich. Rußfilter werden künftig durch motorische Maßnahmen u.U. je nach Motorkonzepten allerdings überflüssig (Euro 4 bzw. 5-Motoren).
    - Strom: wenn keine Fahrzeugklassenerhöhung („Vergrößerung“) erforderlich, nur innerstädtische Nutzung im Bereich der möglichen Reichweiten und Ladestationen; d.h. für die Feuerwehr praktisch nicht sinnvoll, da es dazu noch teils erhebliche Probleme mit der Haltbarkeit der Akku-Zellen gibt.


    Cimolino


    -----

    mit privaten und kommunikativen Grüßen


    Cimolino

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     01.09.2008 16:53 Jürg7en 7M., Weinstadt
     01.09.2008 17:07 Ulri7ch 7C., Düsseldorf
     01.09.2008 17:18 Ulri7ch 7C., Düsseldorf
     01.09.2008 20:02 ., Bochum
     21.09.2012 14:08 ., Ergolding

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