Wenn ich an frühere Hochwasser denke, waren Spontanhelfer v.a. an Stellen einbezogen, wo sie BOS-Kräfte direkt unterstützten. Klassisches Beispiel Sandsäcke füllen und schleppen. Das ist hierbei anders. Der Teil, nennen wir es mal Bau- und Landwirtschaft, mit schwerem Gerät, ist schon recht gut an den Staat angebunden, auch wenn das in manchem Facebookvideo immer mal wieder infrage gestellt wird. Dann gibt es einen Teil der vielen freiwilligen, den man eher ein bisschen leiten muss, damit sie die staatlichen Aktionen nicht zu sehr behindern, der aber auch noch nahe an den Baustellen von BOS/Staat dran ist und vor Ort etwas von dessen Führungen mitorganisiert wird.
Und man hat einen sehr großen Teil, der hilft den Betroffenen vor Ort bei Aufräumaktionen, die stellenweise soweit gehen, wie es die HiOrgs selbst dann nicht leisten würden, wenn Zeit dazu wäre, weil das komplette Entrümpeln und Reinigen von betroffenen Räumen ansonsten bewohnbarer Gebäude beim besten Willen keine staatliche Aufgabe mehr sein kann. Man darf halt nicht vergessen, dass an den Randbereichen des Überflutungsgebietes letztlich "normal" hochwasserbetroffene Gebäude und Straßenzüge stehen, auch wenn mittendrin Katastrophe ist. Da gibt es schon sehr viel Struktur, Führung und Organisation, aber BOS ist da praktisch außen vor bzw. gibt derzeit durch die Verkehrsbeschränkungen nur indirekt vor, dass sich die private Hilfe derart selbstorganisieren muss.
Man darf nicht das Bild im Kopf haben, das in einer EAL jemand sagt "Die Spontanhilfekompanie X ist in der Y-Straße fertig, und kann mit Mannschaftsstärke Z in die nächste Straße/nächsten Ort verlegt werden". Soweit geht die Führung nicht.
"In der Regel machen es die reinen Experten nicht gut. Das ist wie vor Gericht. Der Zeuge weiß, wie es war, versteht aber nichts. Der Gutachter versteht alles, weiß aber nicht, wie es war. Der Richter versteht nichts und weiß nichts, aber er entscheidet - nachdem er alle angehört hat." (Wolfgang Schäuble, Stern-Interview vom 20.06.2013)
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