Geschrieben von Lars J.Meine Variante war ja auch nur eine von vielen Möglichen, weil direkt wieder über "die Probleme" des Feuerwehr-Fahrers spekuliert wurde.
Jetzt aber mal halblang. Sobald ein Feuerwehr- oder anderes Einsatzfahrzeug irgendwie in einen Unfall verwickelt ist, ist die mediale Aufmerksamkeit garantiert - es sei denn, eine echte Katastrophe ist anderswo passiert.
Unsereins, die Einsatzfahrer, werden dann quasi über einen Kamm geschoren und teilweise mit Rasern und Verrückten auf eine Ebene gestellt. Schau Dir doch mal die Schlagzeilen über die Unfälle in Hamburg und Karlsruhe an. "Feuerwehrfahrzeug rast in Bus" oder "Polizeifahrzeug rast in Mietwagen - 1 Tote". Sobald was passiert, ist die Schuldfrage mindestens um 25% auf unsere Seite hin verschoben.
Wer behauptet, er macht bei jeder Einsatzfahrt alles richtig, ist schon sehr optimistisch. Ich fahr bei uns nicht jeden der 300+ Einsätze pro Jahr, aber bei rund einem Drittel bin ich mit der ersten Abmarschgruppe als Fahrer unterwegs. Es schleichen sich immer Fehler ein, Ablenkungen und Co., die auch mal zu "ups, das war jetzt aber schon a wengal knapp"-Situationen führen. Wenn nichts passiert, ist ja alles gut. Dann müssen wir beim nächsten Mal wieder mehr aufpassen. Einverstanden?
Was aber, wenn was passiert? Dann ist nicht die Feuerwehr die Dumme (klar, in der medialen Berichterstattung schon), sondern immer der Fahrer. Sobald irgendjemand verletzt wird, ist eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung nicht zu vermeiden.
Mein Ansatz ist immer, die "was hat zu diesem Unfall geführt"-Situationen durchzuspielen und auch gerne mal den Advocatus diavoli zu spielen und die Lage aus einer anderen Sicht zu betrachten. Daher habe ich auch mal ins Spiel gebracht, ob eventuell das Martinhorn ausgewesen sein könnte.
Das hilft mir persönlich, die Ausbildung "meiner" Maschinisten mit aktuellen Themen zu versehen und sie darauf zu trimmen, soviel wie möglich richtig zu machen.
Ich bin mir sicher, dass der Kamerad der Giessener BF deutlich erfahrener ist, als die meisten von uns und auch tausende von Einsatzkilometern mehr auf der Uhr hat, als wir. Trotzdem war er nicht davor gefeit, in einen Unfall verwickelt zu sein.
Auch wenn es so aussieht, dass der BMW-Fahrer den schwarzen Peter in der Hand hat, weil er durch seine Handlung den Unfall verursacht hat, wird immer auch die Teilschuld des Maschinisten diskutiert werden. Denn in §1 StVO heißt es nun mal "Jeder hat sich so zu verhalten, dass niemand zu Schaden kommt" (nicht zitiert). Wenn er also in die Kreuzung reinfährt, muss er so fahren, dass er jederzeit zum Stehen kommen kann, wenn ein Hindernis plötzlich auftritt. Wenn ich mir die Bilder vom BMW so ansehe, ist schon viel Blech kalt verformt worden.
Versteht mich nicht falsch, aber wir müssen beim Nachdenken über Unfälle bei Einsatzfahrten mal vergessen, dass der arme Maschinist ja keine Chance hatte. Sobald das Blaulicht an ist, muss er doppelt und dreifach aufpassen, weil er für die Blaulichtfahrt entsprechend geschult und qualifiziert ist. Und genau so müssen wir uns verhalten.
Nichts für ungut,
Oliver
--
Operation Sichere Einsatzfahrt
http://sichere-einsatzfahrt.de
 Beitrag inhaltlich zustimmen / ablehnen
|