| Rubrik | Einsatz |
zurück
|
| Thema | Moorbrand Meppen | 116 Beiträge |
| Autor | Hans8-Jo8ach8im 8Z., Berlin / Berlin | 843735 |
| Datum | 27.10.2018 23:16 MSG-Nr: [ 843735 ] | 3975 x gelesen |
| Infos: | 30.01.19 Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zum Moorbrand bei Meppen 26.09.18 Warum ein höherer Wasserstand die Katastrophe verhindert hätte (GEO - Magazin) 24.09.18 Großer Moorbrand Meppen - WDR Aktuelle Stunde | 22.09.2018 22.09.18 spiegel.de: Bundeswehr hätte schneller die Feuerwehr rufen müssen 22.09.18 Offizielle Infoseite der Bundeswehr mit Infoflyer, Foto und Videomateriel. 19.09.18 Spiegel.de: Moorbrand auf Bundeswehrgelände
alle 6 Einträge im Threadcontainer anzeigen |
1. Pressemeldung
2. Persönliche Mitteilung (über myForum)
1. Pressemeldung
2. Persönliche Mitteilung (über myForum)
1. Pressemeldung
2. Persönliche Mitteilung (über myForum)
1. Pressemeldung
2. Persönliche Mitteilung (über myForum)
Geschrieben von Thomas E.Welche Werte sind denn dann in einem solchen Fall anwendbar? Eine Moorbrand Grenzwerteverordnung kenne ich nämlich nicht.
Der wichtigste Schadstoff bei Moorbränden ist PM 2.5 (in jener Entfernung, in der sich die Wohnbevölkerung befindet, für die Einsatzkräfte kann CO relevanter werden). Für PM 2.5 gibt es keinen Grenzwert im engeren Sinne, sondern nur EU-weit akzeptierte Werte, die mehr mit Erreichbarkeit als mit Schädlichkeit zu tun haben. Problem dabei: Eine kalifornische Studie kam zu dem Ergebnis, daß Alveolarmakrophagen (das ist der Putzdienst auf den Lungenbläschen, der bei Rauchern irgendwann kapituliert) durch PM 2.5 aus Vegatationsbränden ungefähr um den Faktor 10 heftiger geschädigt werden als durch jenes PM 2.5, das in eine menschliche Lunge hineingehört (Dieselabgase, Bremsabrieb, Straßenabrieb, ...). Das macht sinnvoll interpretierbare Messungen nicht einfach.
Messen kann man aber die Zunahme an wiederbelebungspflichtigen Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser. Der wissenschaftliche Dienst des US-Gesundheitsministeriums hat das nach einem großen Moorbrand getan:
Ana G. Rappold, Susan L. Stone, Wayne E. Cascio, Lucas M. Neas, Vasu J. Kilaru, Martha Sue Carraway, James J. Szykman, Amy Ising, William E. Cleve, John T. Meredith, Heather Vaughan-Batten, Lana Deyneka, and Robert B. Devlin: Peat Bog Wildfire Smoke Exposure in Rural North Carolina Is Associated with Cardiopulmonary Emergency Department Visits Assessed through Syndromic Surveillance
Der Zusammenhang war signifikant genug, um keine Fragezeichen zu setzen, sondern rundheraus festzustellen, daß die Emissionen des Feuers zu einer starken Zunahme von Asystolie-Patienten geführt hatten.
Betrachtet wurde das Evans Road Fire von 2008. Dieses Feuer war deutlich größer als das in Meppen, doch hatte man das Glück, daß es in einer sehr dünn besiedelten Gegend brannte, nämlich hier. Die meiste Zeit zog der Rauch über menschenleeres Gebiet, nur einige Tage lang war dünn besiedeltes Gebiet betroffen.
Wegen der geringen Besiedlung, und der Armut der dortigen Bevölkerung lagen Meßwerte aus der Umgebung nicht vor. (Messungen der Feuerwehr setzen voraus, daß jemand der Feuerwehr einen Meßwagen gekauft hat, und kommunale Feuerwehren der USA sind finanziell sehr viel kommunaler als in Deutschland.)
Die Ausdehnung der Rauchwolke, sowohl geographisch als auch im Zeitablauf, wurde deshalb mit Hilfe von Satellitendaten zu "Aerosol Optical Depth" bestimmt. (Die optische Tiefe wird beispielsweise mit den MODIS-Instrumenten auf den Satelliten "Aqua" und "Terra" gemessen, eine deutschsprachige Erklärung zur Messung auf dem Boden findet sich beim Deutschen Wetterdienst.)
North Carolina verwendet in den Krankenhäusern ein System zur Früherkennung von Epidemien, das auf Codes beruht. Die Art der Erkrankung bekommt einen Code, die Codes stehen der Früherkennung und der Forschung zur Verfügung. Man hat keine Patientendaten, wohl aber die Erkenntnis, wie viele Code X oder Code Y wann in welche Notaufnahme eingeliefert wurden.
Im Rahmen der Studie konnte nachgewiesen werden, daß es in den wenigen Tagen, in denen die Rauchwolke des Moorbrands über bewohntes Gebiet zog, eine signifikante Zunahme an wiederbelebungspflichtigen Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser gegeben hat.
In den USA gibt es weitaus mehr Vegetationsbrände, die wochenlang Emissionen verursachen, und deshalb auch eine weitaus ausgeprägtere wissenschaftliche Beschäftigung mit den Folgen. In Deutschland beschäftigt sich niemand damit, weil es solche langanhaltenden Brände kaum noch gibt (zu meiner Kinderzeit waren Moorbrände noch normal). Nach dem Brand von Meppen wird niemand daherkommen und die Auswirkungen in den Notaufnahmen erfassen. Die Vorstellung aber, daß dieses Feuer keine Menschenleben gefordert habe, halte ich angesichts der vorhandenen Forschungsergebnisse bei ähnlichen Brandereignissen für völlig realitätsfern.
Hans-Joachim
 Beitrag inhaltlich zustimmen / ablehnen
|
| << [Master] | antworten | |
| flache Ansicht | Beitrag merken | alle Beiträge als gelesen markieren |
|